Liebe Sylt Foundation
Liebe Sylt Foundation,
sie plustert sich auf, die Möwe, der Wind fährt durch ihre
Federn – friert sie nicht? Er treibt sie über den Sand zur
Seite, ihre Beine wie dünne Hölzer haben Mühe, eine Antwort zu
finden. Warum sucht sie keinen Unterschlupf? Die Möwe weicht
nicht von meiner Seite, ihre gelben Augen behalten mich
lauernd im Blick. Was sie sich einbildet, ich habe kein Futter
für sie, nichts. Hau ab, rufe ich, du kannst getrost
verschwinden. Sollte ich einschlafen, hat sie leichtes Spiel,
zunächst wird sie sich über meine Augen hermachen - man weiß
schließlich Bescheid, was da abläuft. Die Möwe nickt und neigt
den Kopf zur Seite, als verfolgte sie einen Plan, gibt mir ein
Zeichen, ihr zu folgen, die Bewegung des Flügels ist
unmissverständlich. Zögernd folge ich ihr, die mich zu meinem
Fahrrad dirigiert. Ich strample die Straße entlang, links,
rechts fließt sanfthügelige Heidelandschaft vorbei. Der Vogel
hat sich auf dem Lenker festgekrallt, weist mir wie ein Käpt‘n
auf hoher See den Weg: Rantum, krächzt er den Befehl, fahr
endlich nach Rantum. Du hast doch nicht vergessen, wo das Nest
liegt.
Na und? Ich zucke ratlos mit den Schultern.
Du solltest dich umdrehen, schau zurück, sagen wir ein paar
Jahre zurück. Dann weißt du Bescheid, wer dich dort erwartet.
Auf nach Rantum!