Michael G. Fritz

KEIN LICHT BEGRÜSST DICH


KEIN LICHT BEGRÜSST DICH mehr im Haus. Alles ist neu und dennoch vertraut: der Geruch in den Mauern, das Knarren der Stufen, wie die Heizung summt, die eine Weile braucht. Wenn du kein Bier mitbringst, mußt du nach keinem suchen.
Setz dich im Mantel auf den Schemel in der Küche und lausche der Uhr an der Wand, daneben das Radio auf dem Bord ist immer noch dasselbe. Immer kam RIAS: eine freie Stimme der freien Welt, Friedrich Luft, Deep Purple mit "Child in Time", Freitag abends Estrongo Nachama, kein Wort verstandst du und doch alles. In der Kammer starb dein Vater, in dem Bett, in dem du seitdem schläfst, wo du die ersten Frauen hattest, wie waren die Namen? Du siehst ihn noch liegen, bräunlich die Haut, eingefallen die Wangen, die Augen, die Augen weit aufgerissen, der Blick ins Nichts, mein Gott, hört das nie auf?