Michael G. Fritz

DIE JUNGE FRAU AUF DEM FAHRRAD


DIE JUNGE FRAU AUF DEM FAHRRAD LÄSST SICH vom Hund auf dem Weg neben der Straße ziehen. Sie wirft gewandt den Kopf zurück, ihre Haare wehen im Fahrtwind, sie muß nicht treten, nur kräftig gegensteuern, damit sie die Spur hält. Der Hund hat die Ohren angelegt, ihm hängt die Zunge bis auf den Boden, beinahe schleift sie auf dem ausgetrockneten Sand. Die beiden Polen schlendern die Straße herunter, der eine groß und hager, der Kleinere trägt den Stoffbeutel, in denen die Flaschen klirren. Sie kommen vergnügt von einer Arbeit am Samstagnachmittag und palavern laut mit hochrotem Gesicht. Sie sind Feuer und Flamme, als sie die zwei Drehstühle auf der anderen Seite sehen, die Bolte zum Mitnehmen abgestellt hat. Die beiden hetzen hinüber, schwingen sich auf die Sitzflächen und beginnen sofort, sich zu drehen. Die dicke Frau in der Nylon-Kittelschürze im Garten nebenan hält den Wasserschlauch und sprengt ihren Rasen. Sie wischt immer wieder mit der Hand den Schweiß von der Stirn, öffnet zwei Knöpfe der Schürze, um den Stoff über der Brust mit hastigen Bewegungen zu lüften, und nimmt auf einem Hocker Platz. Der Hund zieht rasant um die Kurve, gleich darauf verschwindet auch die Frau auf dem Fahrrad. Die Polen hören nicht auf, sich zu drehen, sie lachen und fingern im Beutel nach einer Flasche. Plötzlich fehlt ein Stuhl, und die beiden Männer sind fort. Die Frau in der Kittelschürze will es bequem haben, sie spreizt ihre Knie weit auseinander, der Rasen wächst grün zwischen ihren Beinen.