Michael G. Fritz

Liebe Sylt Foundation


Liebe Sylt Foundation, sie plustert sich auf, die Möwe, der Wind fährt durch ihre Federn – friert sie nicht? Er treibt sie über den Sand zur Seite, ihre Beine wie dünne Hölzer haben Mühe, eine Antwort zu finden. Warum sucht sie keinen Unterschlupf? Die Möwe weicht nicht von meiner Seite, ihre gelben Augen behalten mich lauernd im Blick. Was sie sich einbildet, ich habe kein Futter für sie, nichts. Hau ab, rufe ich, du kannst getrost verschwinden. Sollte ich einschlafen, hat sie leichtes Spiel, zunächst wird sie sich über meine Augen hermachen - man weiß schließlich Bescheid, was da abläuft. Die Möwe nickt und neigt den Kopf zur Seite, als verfolgte sie einen Plan, gibt mir ein Zeichen, ihr zu folgen, die Bewegung des Flügels ist unmissverständlich. Zögernd folge ich ihr, die mich zu meinem Fahrrad dirigiert. Ich strample die Straße entlang, links, rechts fließt sanfthügelige Heidelandschaft vorbei. Der Vogel hat sich auf dem Lenker festgekrallt, weist mir wie ein Käpt‘n auf hoher See den Weg: Rantum, krächzt er den Befehl, fahr endlich nach Rantum. Du hast doch nicht vergessen, wo das Nest liegt. Na und? Ich zucke ratlos mit den Schultern. Du solltest dich umdrehen, schau zurück, sagen wir ein paar Jahre zurück. Dann weißt du Bescheid, wer dich dort erwartet. Auf nach Rantum!